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BIOFACH 2026: Trends, Produkte und ziemlich gute Ideen

Biofach 2026 Nürnberg



Eigentlich war ich für mein Online-Magazin Montagsbuero auf der BIOFACH 2026 in Nürnberg unterwegs. Für Marpels möchte ich die Messe aber noch einmal aus einer anderen Perspektive betrachten. Denn neben Bio-Lebensmitteln und Nachhaltigkeit gibt es dort auch neue Produktideen, ungewöhnliche Verpackungen und Marken zu entdecken, die bekannte Produkte neu denken.

Pressebadge Montagsbuero.de - Alexandra Schumann



Mich interessiert dabei besonders die Frage, wie aus einer zunächst einfachen Idee ein Produkt entsteht, das tatsächlich seinen Platz im Regal findet. Was macht es anders? Für wen wurde es entwickelt? Wie wird es präsentiert? Und muss eine wirklich gute Produktidee überhaupt etwas vollkommen Neues sein? Die BIOFACH 2026 liefert dafür jede Menge Anschauungsmaterial. Deshalb soll dieser Beitrag kein klassischer Messerundgang werden. Stattdessen möchte ich einige Trends, Produkte und Ideen herausgreifen, die auch über die Bio-Branche hinaus einen genaueren Blick wert sind.


Ein kurzer Blick auf die BIOFACH 2026

Die BIOFACH gilt als Weltleitmesse für Bio-Lebensmittel und bringt einmal im Jahr die internationale Bio-Branche in Nürnberg zusammen. 2026 fand sie vom 10. bis 13. Februar im Messezentrum Nürnberg statt. Insgesamt kamen 2.150 Ausstellende aus 89 Ländern und 31.914 Fachbesuchende aus 133 Ländern zusammen. Dabei geht es längst nicht nur darum, neue Bio-Lebensmittel vorzustellen. Die Messe beschäftigt sich unter anderem mit Marktentwicklungen, neuen Produkten, Landwirtschaft, Nachhaltigkeit, Handel und der Frage, wie sich die Bio-Branche weiterentwickeln kann.

2026 rückte unter dem Leitthema „Growing Tomorrow“ vor allem die nächste Generation der Branche in den Mittelpunkt. Junge Perspektiven und neue Ideen spielten insbesondere im begleitenden Kongress eine wichtige Rolle. Gerade dieser Blick nach vorne macht die Messe auch dann interessant, wenn man nicht tief in der Bio-Branche steckt. Denn zwischen Lebensmitteln, Rohstoffen und Branchenthemen tauchen immer wieder Fragen auf, die auch aus unternehmerischer Sicht spannend sind. Welche Bedürfnisse verändern sich gerade? Welche Produkte entstehen daraus? Und wie reagieren Marken darauf?

Stand von GEODERM auf der BioFach 2026

Neben Lebensmitteln gehören auch Naturkosmetik und weitere Produktbereiche zur BIOFACH. Geoderm präsentierte auf der BIOFACH 2026 natürliche und biologische Kosmetik.



Welche Trends die BIOFACH 2026 geprägt haben

Was landet neu im Regal? Welche Bedürfnisse werden wichtiger? Und wie verändert sich die Art, wie Produkte entwickelt und vermarktet werden? Solche Fragen spiegeln sich in den Trends wider, die die Trendjury der BIOFACH für 2026 herausgearbeitet hat. Die Messe unterscheidet zwischen zwei übergeordneten Branchentrends und vier konkreten Produkttrends. „Reframing Organic“ beschäftigt sich damit, wie sich Bio weiterentwickelt, wenn es zunehmend im Mainstream ankommt. „Perfectly Simple“ setzt dagegen auf Einfachheit, wenige sorgfältig ausgewählte Zutaten und unkomplizierte Produkte.



Noch konkreter wird es bei den vier Produkttrends. „Colourful by nature“ steht für mehr Farbe in Produkten, Verpackungen und Markenauftritten. „Precision meets tradition“ verbindet traditionelle Fermentation mit neuen technologischen Möglichkeiten. Bei „Wellbeing in a bottle“ geht es um funktionale Getränke und unkomplizierte Lösungen für den Alltag. „Oh my gut!“ greift das wachsende Interesse an Darmgesundheit und dem Mikrobiom auf. Auf den ersten Blick sind das ziemlich unterschiedliche Entwicklungen. Gemeinsam ist ihnen aber, dass bekannte Bedürfnisse, Zutaten und Verfahren neu kombiniert oder an einen veränderten Alltag angepasst werden. Genau an diesem Punkt werden die Trends auch außerhalb der Bio-Branche interessant.

Bio wird bunt und verabschiedet sich vom alten Öko-Look

Wer bei Bio-Produkten zuerst an gedeckte Farben, Naturpapier und zurückhaltende Verpackungen denkt, bekommt mit dem Produkttrend „Colourful by nature“ ein ziemlich gutes Gegenbeispiel. Farbe wird hier bewusst eingesetzt und zwar nicht nur im Produkt selbst. Auch Verpackungen und Markenauftritte dürfen auffälliger und verspielter werden. Die BIOFACH beschreibt eine Entwicklung hin zu kräftigen Farben und ausdrucksstarken Verpackungen. Dabei geht es nicht nur darum, im Regal aufzufallen. Ein moderneres Design kann Bio-Produkte auch für Menschen interessant machen, die sich von der klassischen Naturkost-Ästhetik weniger angesprochen fühlen.

Ich finde diese Entwicklung besonders spannend. Ein nachhaltiges oder biologisches Produkt muss schließlich nicht automatisch danach aussehen, als hätte man bei der Gestaltung nur zwischen Beige, Grün und Braun wählen dürfen. Gute Gestaltung verändert zwar nicht die Qualität eines Produktes, sie entscheidet aber durchaus mit darüber, ob ich überhaupt neugierig darauf werde.

God Sodas - Bunte Getränkedosen

Bio muss optisch nicht zurückhaltend sein. Die Getränkedosen von Good Sodas sind ein schönes Beispiel dafür, wie farbig und modern Bio-Produkte heute auftreten können.



Wenn das Produkt selbst zum Hingucker wird

Ein besonders auffälliges Beispiel ist die Blue Velvet Nut Butter von Belun Organics. Ihre intensive blaue Farbe entsteht durch Bio-Spirulina. Das Produkt gehörte zu den offiziellen Trendbeispielen und wurde auf der Messe außerdem mit einem Best New Product Award ausgezeichnet. Genau solche Produkte zeigen für mich, wie eng Produktentwicklung und Gestaltung zusammenhängen können. Eine ungewöhnliche Farbe oder eine auffällige Verpackung machen allein noch keine gute Idee. Wenn Produkt und Gestaltung aber sinnvoll zusammenspielen, können sie dazu beitragen, dass sich eine Marke deutlich von anderen Angeboten unterscheidet. Vielleicht ist genau das die spannendste Seite dieses Trends. Bio muss optisch nicht nach einer bestimmten Schablone funktionieren. Nachhaltigkeit und ein moderner, kreativer Markenauftritt schließen sich nicht aus.

Gesundheit wird zum Produkt für den Alltag

Gesundheit ist natürlich kein neuer Food-Trend. Interessant ist aber, wie Hersteller versuchen, gesundheitlich ausgerichtete Produkte möglichst einfach in den Alltag zu integrieren. Statt komplizierter Routinen begegnen uns Getränke, Shots, Snacks oder fertige Mahlzeiten, die sich ohne großen Aufwand konsumieren lassen. Zwei Produkttrends der BIOFACH 2026 greifen diese Entwicklung auf.

Wellbeing in a bottle

Unter „Wellbeing in a bottle“ fasst die BIOFACH funktionale Getränke zusammen. Dazu gehören beispielsweise Shots, Wasserkefir und Trinkmahlzeiten. Je nach Produkt kommen dabei unter anderem Vitamine, Mineralstoffe oder probiotische Kulturen zum Einsatz. Ein Beispiel sind die verschiedenen Shots von Voelkel. Das Sortiment reicht von Immun- und Eisen-Shots bis zu Varianten mit Matcha oder Ballaststoffen. Spannend finde ich daran vor allem die Idee dahinter. Ein Produkt soll nicht mehr nur schmecken oder satt machen. Es bekommt eine konkrete Aufgabe im Alltag und soll dabei möglichst wenig zusätzliche Zeit beanspruchen.

Oh my gut!

Beim zweiten Trend rückt die Darmgesundheit in den Mittelpunkt. Unter „Oh my gut!“ bündelt die BIOFACH Produkte, die sich mit dem Mikrobiom beschäftigen und beispielsweise Ballaststoffe sowie präbiotische oder probiotische Bestandteile enthalten. Die offiziellen Trendbeispiele reichen von Snacks und Porridge bis zu fermentierten Produkten. Damit wird ein vergleichsweise komplexes Gesundheitsthema in Lebensmittel übersetzt, die sich ohne große Veränderung in den Alltag integrieren lassen. Genau diese Verbindung finde ich bei beiden Trends interessant. Ein Bedürfnis allein macht noch kein gutes Produkt. Entscheidend ist auch, wie einfach sich die angebotene Lösung tatsächlich nutzen lässt.

Stand von Florentin auf der Biofach 2026

Auch Florentin war auf der BIOFACH 2026 vertreten. Die niederländische Bio-Marke bietet unter anderem Hummus, Falafel und weitere mediterran und nahöstlich geprägte Produkte an.



Wenn Tradition auf neue Technologie trifft

Nicht jede Innovation beginnt mit einer vollkommen neuen Technologie. Manchmal entsteht etwas Spannendes gerade dann, wenn traditionelle Verfahren neu gedacht werden. Genau darum geht es beim Produkttrend „Precision meets tradition“. Fermentation gehört zu den ältesten Methoden, Lebensmittel haltbar zu machen und ihren Geschmack zu verändern. Heute wird sie aber auch genutzt, um neue Zutaten, Geschmacksrichtungen und pflanzliche Alternativen zu entwickeln.

Fermentation kann ziemlich modern aussehen

Zwei Marken, die auf meinen Fotos von der BIOFACH auftauchen, zeigen das ziemlich gut. Good Sodas stellt Bio-Limonaden her, für deren Basis Fruchtsaft mithilfe von Milchsäurebakterien fermentiert wird. Anschließend kommen pflanzliche Aromen aus Früchten, Kräutern und Gewürzen hinzu. Ein anderes Beispiel ist ROY Kombucha aus Berlin. Kombucha entsteht durch die Fermentation von gesüßtem Tee und wird von ROY als kohlensäurehaltiges Erfrischungsgetränk angeboten.

Roy Kombucha

Fermentation trifft modernes Getränkedesign. ROY produziert Kombucha auf Basis fermentierten Tees.



Beide Beispiele gefallen mir, weil ein sehr altes Verfahren hier in einer Produktwelt landet, die überhaupt nicht altmodisch wirkt. Moderne Getränkedosen, unterschiedliche Geschmacksrichtungen und ein zeitgemäßer Markenauftritt zeigen ziemlich gut, dass Tradition und modernes Produktdesign zusammenpassen können.

Innovation kann schon beim Rohstoff beginnen

Noch einen Schritt früher setzt vly an. Das Berliner Food-Tech-Unternehmen entwickelt pflanzliche Alternativen auf Basis von Erbsenprotein und stellte zur BIOFACH 2026 zwei neue Bio-Produkte vor. Besonders interessant finde ich die Geschichte hinter vly Bio High Protein. vly arbeitet seit 2023 mit dem Pflanzenzüchtungsunternehmen KWS zusammen. Gemeinsam wurde an einer Bio-Erbse gearbeitet, deren Eigenschaften besser zu pflanzlichen Milchalternativen passen. Im Mittelpunkt standen insbesondere Geschmack und Textur.

Vly - Milchalternative auf der Biofach 2026

vly stellte zur BIOFACH 2026 neue Bio-Produkte auf Basis von Erbsenprotein vor. Bei vly Bio High Protein beginnt die Produktentwicklung bereits beim verwendeten Rohstoff.



Für mich zeigt dieses Beispiel besonders schön, wie tief Produktentwicklung gehen kann. Manchmal beginnt die Verbesserung eines Produktes nicht erst bei Rezeptur oder Verpackung. Sie kann schon bei der Frage anfangen, welcher Rohstoff die besten Voraussetzungen dafür bietet. Innovation muss also nicht bedeuten, alles Bekannte hinter sich zu lassen. Bestehende Verfahren, Rohstoffe und Ideen können eine erstaunlich gute Grundlage für etwas Neues sein.

480 Neuheiten und die Frage, wie man eigentlich auf so etwas kommt

Wer sich für Produktideen interessiert, dürfte am Neuheitenstand der BIOFACH ziemlich lange beschäftigt sein. Insgesamt wurden dort 2026 480 Produkte präsentiert. Die Bandbreite reichte von neuen Lebensmitteln und Getränken bis hin zu Naturkosmetik, Drogerieartikeln, Technik und Dienstleistungen.

Aus diesen Neuheiten wurden auch die Gewinner des Best New Product Award gewählt. Während der ersten drei Messetage konnten die Fachbesucher für ihre Favoriten abstimmen. Zu den ausgezeichneten Produkten gehörten unter anderem das Mediterrane Kimchi von Complete Organics und die bereits erwähnte Blue Velvet Nut Butter von Belun Organics.

Hinter jedem Produkt steckt eine Entscheidung

Bei solchen Neuheiten interessiert mich irgendwann fast mehr die Idee hinter dem Produkt als das fertige Produkt selbst. Warum entwickelt jemand ausgerechnet ein mediterranes Kimchi? Wie kommt eine Marke auf eine blaue Nussbutter? Und welches Bedürfnis soll ein Produkt eigentlich erfüllen? Auch Lini’s Bites gehört zu den Marken, deren Stand ich auf der BIOFACH fotografiert habe. Das Münchner Unternehmen entwickelt Bio-Süßigkeiten und Snacks und war 2026 gemeinsam mit getvuel auf der Messe vertreten. Die Produkte sind bio, vegan und glutenfrei.

Linis Bites - Biofach 2026
Linis Bites - Biofach 2026



Gerade wenn man selbst gerne neue Ideen entwickelt, kann man sich schnell darin verlieren, nach etwas zu suchen, das garantiert noch niemand zuvor gemacht hat. Dabei kann Innovation genauso darin bestehen, bekannte Kategorien neu zu interpretieren oder ein bestehendes Produkt für eine bestimmte Zielgruppe weiterzuentwickeln.

Bionana - Biofach 2026

Bionana setzt bei seinen Bio-Bananen unter anderem auf ökologischen Anbau und soziale Verantwortung entlang der Lieferkette.



Natürlich wird aus einer ungewöhnlichen Idee nicht automatisch ein gutes Produkt. Sie muss sich herstellen lassen, eine Zielgruppe finden und wirtschaftlich funktionieren. Trotzdem finde ich es spannend, Produkte nicht nur aus der Perspektive eines Käufers zu betrachten. Sobald man nach den Entscheidungen dahinter fragt, wird selbst ein Glas Nussbutter zu einer kleinen Fallstudie über Produktentwicklung, Positionierung und Marke.

Was ich von der BIOFACH 2026 mitnehme

Eigentlich war die BIOFACH 2026 ein Termin für mein Online-Magazin Montagsbuero. Trotzdem passt dieser Beitrag für mich mindestens genauso gut zu Marpels. Denn wenn ich mir die vielen Produkte und Konzepte anschaue, geht es irgendwann nicht mehr nur um Bio-Lebensmittel. Es geht um Ideen und darum, was Menschen aus ihnen machen. Besonders spannend finde ich die Erkenntnis, dass eine gute Produktidee nicht immer etwas vollkommen Neues sein muss. Ein bekanntes Produkt anders zu denken, eine Anwendung einfacher zu machen oder Gestaltung und Funktion besser miteinander zu verbinden, kann mindestens genauso interessant sein.

Biofach 2026



Vielleicht ist das auch ein guter Grund, öfter über den eigenen Tellerrand zu schauen. Inspiration für ein neues Produkt, ein kreatives Projekt oder sogar eine Geschäftsidee findet man schließlich nicht nur dort, wo ausdrücklich Business oder Innovation darübersteht. Genau deshalb mag ich solche Veranstaltungen. Dabei muss am Ende gar keine konkrete neue Geschäftsidee entstehen. Wenn ich mit ein paar neuen Gedanken und einer anderen Perspektive nach Hause gehe, hat sich ein Messebesuch für mich bereits gelohnt.

Und vielleicht ist genau das mein wichtigstes Fazit von der BIOFACH 2026. Gute Ideen müssen nicht laut, kompliziert oder revolutionär sein. Manchmal reicht es, Bekanntes ein kleines Stück anders zu denken.

Vielen Dank fürs Lesen! Ich freue mich über Feedback und Kommentare. Du kannst mich auch gerne über meine Kontaktseite erreichen oder mir auf Instagram folgen, um mehr zu erfahren. Bis zum nächsten Beitrag!

Bleib gesund!
Alex


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